Hautalterung durch Stress
Stress ist ein allgegenwärtiger Begleiter unseres modernen Lebens und beeinflusst nicht nur unsere psychische und physische Gesundheit, sondern hinterlässt auch sichtbare Spuren auf unserer Haut. Stresshormone versetzen unseren Körper in einen Leistungsmodus. Bei drohender Gefahr wird die Aktivität hochgefahren, um im Ernstfall schnell und effizient reagieren zu können. Im normalen Alltag produziert der Körper etwa 25 bis 30 Milligramm Cortisol. In Stresssituationen kann dieser Wert jedoch auf bis zu 200 Milligramm ansteigen. Gerät der Körper dauerhaft in diesen Ausnahmezustand verliert das ursprünglich schützende Cortisol seine positive Wirkung und kann langfristig negative Folgen für die Gesundheit mit sich bringen. Und ist der Körper Monate oder Jahre lang erhöhten Stress Leveln ausgesetzt kann dies zu vorzeitigen Alterserscheinungen führen.
Dies hängt biologisch damit zusammen, dass erhöhte Stresslevel einen negativen Einfluss auf unsere Telomere und das Enzym Telomerase haben. Telomere und das Enzym Telomerase sind wichtige Indikatoren für das biologische Alter. Telomere befinden sich wie schützende Kappen an den Enden der Chromosomen und bewahren das Erbgut vor Schäden. In jungen Jahren sind unsere Telomere lang, aber mit jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere. Die Telomere werden kürzer und kürzer, bis die Zelle das sogenannte Hayflick-Limit erreicht. Das Hayflick-Limit ist die maximale Anzahl an Zellteilungen, die eine normale menschliche Zelle durchlaufen kann, bevor sie aufhört, sich zu vermehren. Ist dieses Limit erreicht, kommt es zur Apoptose, dem programmierten Zelltod. Die Folge sind ergrautes Haar, Falten und andere Alterserscheinungen. Doch der Verkürzungsprozess kann auch durch ein bestimmtes Enzym namens Telomerase verlangsamt werden. Dieses kann die Endteile immer wieder verlängern und somit zu der Erhaltung der Zellfunktion beiträgt. Die Telomerase-Aktivität ist somit auch ein Indikator für unsere Gesundheit und unser biologisches Alter.
Eine Studie der University of California untersuchte die Auswirkungen von Stress auf die Immunzellen von 58 Frauen. Dabei wurde die Telomerlänge, und die Aktivität des Enzyms Telomerase analysiert. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass chronischer Stress signifikante Auswirkungen auf beide Faktoren hatte: Je höher das Stressniveau und je länger die Belastung andauerte, desto stärker waren die biologischen Veränderungen ausgeprägt. Frauen mit besonders hohem Stresslevel wiesen deutlich verkürzte Telomere, eine geringere Telomerase-Aktivität und eine erhöhte Produktion freier Radikale auf. Die Telomere dieser Frauen entsprachen einer zellulären Alterung von etwa zehn zusätzlichen Jahren im Vergleich zu den weniger gestressten Teilnehmerinnen. Die Wissenschaftler vermuten, dass Stresshormone oxidativen Stress begünstigen, die wiederum die Telomerase schädigen und so den Alterungsprozess beschleunigen. Diese beschleunigte zelluläre Alterung kann zudem erklären, warum stressbelastete Menschen häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Immunschwächen leiden.
Viele von uns haben Jahre lang erhöhte Cortisol Werte, ohne es zu merken. Hier sind häufige Symptome bei erhöhtem Cortisolspiegel:
- Anhaltender Stress / innere Unruhe
- Schlafprobleme, v. a. Einschlaf- oder Durchschlafstörungen
- Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf
- Reizbarkeit, Nervosität, Stimmungsschwankungen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Erhöhter Appetit, besonders auf Süßes oder Salziges
- Gewichtszunahme, oft im Bauchbereich
- Leicht erhöhter Blutdruck
- Häufigere Infekte oder langsamere Erholung (Cortisol beeinflusst das Immunsystem)
- Muskelverspannungen oder Muskelschwäche
- Verdauungsprobleme (z. B. Blähungen, Reizdarm-ähnliche Beschwerden)
- Zyklusunregelmäßigkeiten bei Frauen
- Verminderte Libido
- Kopfschmerzen
Sollten Sie die Vermutung haben, an erhöhten Cortisol werten zu leiden, ist es wichtig, dies abzuklären, und ihren Lebensstil entsprechend anzupassen.