Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) bei Frauen
Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) bei Frauen ist keine Seltenheit. Fast 50% aller Frauen leiden im Verlauf ihres Lebens einmal an erblich bedingtem Haarausfall, bei 20 – 30% kommt es dann zu sichtbar ausdünnendem Haar. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sogar noch höher. Besonders oft sind Frauen während der Menopause, oder während und nach einer Schwangerschaft von Haarausfall betroffen. Jedoch kann Haarausfall in jedem Lebensabschnitt auftreten. Vorallem bei Frauen geht Haarausfall oft mit einer hohen emotionalen Belastung einher, da das Haar eng mit Weiblichkeit und dem gesellschaftlichen Schönheitsideal verknüpft ist. Ausdünnendes Haar und Glatzenbildung ist bei Frauen gesellschaftlich viel weniger akzeptiert ist als bei Männern. Während ausdünnendes Haar und Glatzenbildung bei Männern weitesgehend gesellschaftlich akzeptiert ist, und ein kahler Kopf manchmal sogar mit mehr Männlichkeit verbunden wird, erfahren Frauen mit ausdünnendem Haar und Glatzenbildung häufig Diskriminierung und sozialen Ausschluss. Wenn Frauen unter sichtbar ausdünnendem Haar leiden, wird häufig angenommen, sie seien krank, da erblich bedingter Haarausfall in der Gesellschaft meist ausschließlich mit Männern assoziiert wird. Versteht mich nicht falsch – natürlich leiden viele Männer auch sehr an ihrem Haarausfall, und fühlen sich weniger attraktiv. Jedoch ist der Leidensdruck bei Frauen um ein Vielfaches größer. Doch was genau verbirgt sich hinter erblich bedingtem Haarausfall bei Frauen, und warum entsteht er?
Woran erkennt man erblich bedingten Haarausfall?
Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen zeigt sich durch eine Ausdünnung der Haare im Scheitelbereich. Anders als bei anderen Arten des Haarausfalls ist das Muster nicht fleckig. Die Haardichte nimmt gleichmäßig ab, und einzelne Haare werden zunehmend dünner und feiner. In vielen Fällen liegt eine familiäre Veranlagung vor, daher kann es hilfreich sein in Erfahrung zu bringen, ob die Mutter, Großmutter oder ältere Schwester auch an erblich bedingtem Haarausfall leiden. Um eine endgültige Diagnose zu erhalten und andere Ursachen auszuschließen, müsst ihr immer zu einem Arzt gehen. Falls möglich solltet ihr nach einem Dermatologen in eurer Nähe suchen, der auf Themen wie Haarausfall spezialisiert ist.
Was verursacht erblich bedingten Haarausfall bei Frauen?
Erblich bedingter Haarausfall, auch als androgenetische Alopezie bezeichnet, entsteht, wie der Name bereits sagt, durch eine genetische Veranlagung. Der zugrunde liegende Mechanismus betrifft die Haarfollikel, die durch eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT) geschädigt werden (dazu unten mehr). DHT ist ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron, das mithilfe des Enzyms 5α-Reduktase gebildet wird. Obwohl es in erster Linie mit Männern in Verbindung gebracht wird, kommt Testosteron und somit auch DHT in geringen Mengen auch im weiblichen Körper vor. Es ist ein weit verbreiteter Mythos (selbst unter Ärzten), dass Frauen, die an genetisch bedingtem Haarausfall leiden zwangsläufig höhere Testosteron-Level haben. Dies ist nicht der Fall.
Bei Frauen mit einer genetischen Veranlagung für Haarausfall reagieren lediglich die Haarfollikel empfindlich auf DHT, dies muss nicht unbedingt heißen, dass diese Frau überdurchschnittlich hohe Testosteron-Level hat. Bei mir wurden zum Beispiel auch kein hoher Testosterongehalt festgestellt. Die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber DHT wird durch Gene bestimmt. Frauen, deren Mutter oder Großmutter bereits an erblich bedingtem Haarausfall gelitten hat, haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls betroffen zu sein. Und der Zeitpunkt, wann der Haarausfall zum ersten Mal auftritt, kann auch mit den Genen zu tun haben. Bei meiner Mutter und meiner Großmutter mütterlicherseits begann der Haarausfall bereits Mitte 20, und auch bei mir trat er erstmals im Alter von 23 Jahren auf.
Was genau passiert bei erblich bedingtem Haarausfall? / Der Einfluss von DHT auf die Haarfollikel
Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen: Wachstumsphase (Anagenphase), Übergangsphase (Katagenphase) und Ruhephase (Telogenphase). In der Anagenphase wächst das Haar aktiv, unterstützt durch die Haarpapille, und diese Phase kann mehrere Jahre dauern. Die Katagenphase ist eine kurze Übergangsphase von etwa 1-2 Wochen, in der das Haarwachstum stoppt und die Verbindung zur Papille gekappt wird. In der Telogenphase ruht der Haarfollikel, und das Haar fällt schließlich aus, bevor der Zyklus mit der nächsten Wachstumsphase erneut beginnt.
DHT (Dihydrotestosteron) dockt an spezifische Rezeptoren in den Haarfollikeln an. Dies löst bei Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall eine Reihe von Reaktionen aus:
Verkürzung der Anagenphase:
Die Wachstumsphase wird bei jedem Zyklus kürzer, sodass das Haar nicht mehr die frühere Länge und Dicke erreicht. Das Haar wird dünner und feiner.
Verlängerung der Telogenphase:
Die Ruhephase verlängert sich, wodurch die Kopfhaut länger ohne aktives Haarwachstum bleibt.
Miniaturisierung des Follikels:
Schreitet der Haarausfall weiter fort, schrumpft der Follikel zunehmend und produziert nur noch feine, dünne Haare, sogenannte Vellushaare, die kaum sichtbar sind.
Absterben des Follikels:
Im letzten Schritt, kann der Haarfollikel keine neuen Haare mehr bilden, da die Haarpapille nicht mehr aktiv ist. Der Follikel wird funktionslos und vernarbt. An dieser Stelle wächst dauerhaft kein Haar mehr, das heißt, ist dieser Schritt erst einmal erreicht ist das Haar unwiederbringlich verloren.
Kann man erblich bedingten Haarausfall stoppen, bzw. rückgängig machen?
Ist das Haarfollikel erst einmal abgestorben, ist es unwiederbringlich verloren. Daher ist es so wichtig bei erblich bedingtem Haarausfall schnell zu reagieren. Solange ein Follikel noch nicht abgestorben ist, können wir es nicht nur vor dem Absterben retten, sondern auch dafür sorgen, dass das Haar wieder länger und dicker wird. Wird erblich bedingter Haarausfall im Anfangsstadium entdeckt, noch bevor die Haarfollikel anfangen abzusterben, kann eine permanente Ausdünnung der Haare sogar ganz vermieden werden. Durch rechtzeitige und konsequente Behandlung könnt ihr euch langfristig viel Ärger und teure Eingriffe wie Haartransplantationen oder Extensions ersparen. Der wichtigste Schritt, um die Ausdünnung der Haare zu stoppen, ist die tägliche Anwendung von Minoxidil auf der Kopfhaut. Darüber hinaus gibt es weitere Maßnahmen, die ihr ergreifen könnt und solltet, um den Haarausfall effektiv aufzuhalten und die Ausdünnung der Haare rückgängig zu machen.
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